Geduldsspiel

Gebe mir Geduld
und zwar jetzt sofort!
Ich brauche sie doch so sehr,
warum kommt sie denn nicht von allein,
wenn ich sie rufe?
Und ich schreie mir schon die Kehle
aus dem Hals.
Was soll ich denn noch tun,
damit sie merkt, wie nötig sie gebraucht wird?
Komm jetzt zu mir,
liebe Geduld
und beruhige mich, aber schnell!
Gebe mir die Muße, gib mir die Kraft,
gebe mir auf der Stelle das,
was ich benötige.
Einfach nur, weil ich es will!
So sehr möchte, darum flehe,
es herbeiklage.
Mein Recht will ich bekommen,
meine eigenen Gefühle
dann einzufordern,
wenn ich es will und wann ich es will.
Ich drücke doch schon die ganze Zeit
auf den Geduldsknopf,
immer und immer wieder.
Ein Dauerklingeln in meinem Kopf.
Geduld auf Abruf steht auf dem
Namensschild der Klingel.
Aber aus Dauerdrücken wird
das Klingelmännchen,
was kurz schellt und dann
kichernd wegläuft und sich
hinter dem nächsten Busch versteckt.
Gefühle auf Abruf…
Regelmäßig versuche ich es zu erzwingen,
aber je mehr ich mich darauf versteife,
um so weiter laufen sie belächelnd davon.
Irgendwann erreiche ich gar nicht mehr
den Klingelknopf,
als wenn ich schrumpfe.
Versuche mich auf Zehenspitzen zu stellen
und drücke weiter über meinem Kopf
blind auf der Mauer vor mir herum,
bis meine Finger blutig sind.
Und ich erschöpft bin
und frustriert
und wütend werde.
Immer mehr innerlich als äußerlich.
Die Kräfte der Wut fließen jetzt nach innen
und richten sich gegen mich selbst.
Warum funktioniere ich nicht vernünftig,
frage ich mich,
ohne zu sehen,
wie unvernünftig ich doch bin.
Denn mit Vernunft
hat das jetzt alles
gar nichts mehr zu tun.

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